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Ein
Katzenleben in Griechenland
Josephina erzählt!

Liebe
Tierfreunde,
mein Name ist Josephina und
ich bin eine griechische Straßenkatze. Na ja, das war ich zumindest, bis ich im
Lotto gewann - gewissermaßen. Ich traf auf Martina. Jetzt gehört sie mir, öffnet
meine Dosen, pflegt mich, wenn ich krank bin, und tut überhaupt alles, was ich
will!
Um einmal ganz von vorne zu beginnen: Es war ein kalter und regnerischer
Abend im Februar, und ich saß auf einer Mauer am Straßenrand, als ich zwei Frauen
erblickte, die die Straße entlang kamen. Die eine schob ihr Fahrrad neben sich
her. Auf gut Glück machte ich sie durch lautes Miauen auf mich aufmerksam, und
die Frau mit dem Fahrrad reagierte sofort. Wie sich herausstellte, war dies Martina.
Zuerst glaubte sie nicht mal, dass ich eine Katze war und beleidigte mich, indem
sie sagte, ich sei ein Knochengerippe und sähe aus und rieche wie der Teufel.
Natürlich
konnte ich auch fühlen, dass ich ihr Leid tat, und als sie wieder aufbrach und
ihren Weg ging, war ich ziemlich traurig, denn sie hatte nett ausgesehen. Da ich
aber sowieso nichts anderes zu tun hatte, blieb ich einfach dort sitzen. Meine
Mutter hatte auch keine Zeit für mich, da sie sich um meine kleinen Geschwister
kümmern musste, und so wartete ich einfach darauf, dass vielleicht irgendwas passieren
und jemand mit Essen vorbei kommen würde. Man weiß nie, manchmal macht plötzlich
jemand die Tür auf und schüttet riesige Mengen gutes Futter auf den Bürgersteig
- wie frischen Fisch z.B.!
Aber, was passierte dann etwas später? Die Frau
mit dem Fahrrad kam zurück! Sie blieb wieder stehen, schaute mich nachdenklich
an - beleidigte mich schon wieder! -, sagte, "was soll's" und setzte mich
einfach in ihren Fahrradkorb und fuhr mich nach Hause.
Zuerst gab sie mir
etwas zu essen (und ich war damals sehr hungrig!), und während ich aß, richtete
sie mir ein warmes und trockenes Bett vor ihrer Haustür her. Sie murmelte etwas
vor sich hin, das sich wie "was wird bloß Sakis sagen" anhörte, aber damals
machte das für mich keinen Sinn. Später kam jedenfalls ein Typ, der mich überrascht
anschaute, als wenn er sagen wollte "was ist das?" - ist es so schwierig,
eine Katze zu erkennen? - und dann zu Martina rein ging.
Später erfuhr
ich, dass dies Sakis war, der mit Martina zusammen lebt. Jedenfalls stellte er
sich als richtig netter Typ heraus, der an dem Abend lediglich zu Martina gesagt
haben soll "Haben wir einen neuen Gast?".
Martina sagte, dass ich wirklich
Glück hatte, dass ein Tierarzt zu der Zeit gerade auf der Insel war, da ich sehr
krank war. Ich hatte Schnupfen, Würmer, einen Hautpilz und Ohrmilben - igitt!
Kann man sich das vorstellen? Leider war damals nur ab und zu ein Tierarzt auf
der Insel, um sich um uns alle zu kümmern, also muss ich wohl wirklich Glück gehabt
haben, obwohl es mir damals nicht so vorkam. (Heute ist es richtig toll, Paros
hat einen eigenen Kleintierarzt!) Der Tierarzt gab mir jeden Tag Spritzen und
Martina zwang mich ständig irgendwelche Pillen zu schlucken.
Aber ich blieb
trotzdem, denn das Essen war gut und die Gesellschaft ebenfalls: Ein paar Katzen,
die meine Freund wurden - Tiger, Drakula, "Mama-Katze", Silver und Tommy...
Sie erzählten mir irgend eine Horrorgeschichte über eine Operation, die ich über
mich ergehen lassen müsste, aber ich glaubte ihnen nicht, und sie sagten sowieso,
dass es ihnen auch erst nicht gefallen hätte, sie sich aber heutzutage alle viel
besser fühlten. Also machte ich mir nicht viele Gedanken drum, und eines Tages
passierte es halt: Ich wurde kastriert! Das heißt, ich kann keine Babys bekommen,
aber ich finde das auch besser so, denn so habe ich ein schönes Leben ohne Probleme!
Außerdem
kann ich auch so einen Freund haben ;-)! Davon mal abgesehen, ich kenne eine andere
Katze, die nicht sterilisiert ist und dreimal im Jahr Junge kriegt - mindestens
- und mir erzählt, dass sie ihre Jungen ständig verliert! Ja, sie ist eigentlich
immer nur traurig. Sie behauptet, dass jemand ihr die Babys wegnimmt, wenn sie
gerade nicht aufpasst, aber ich mochte das gar nicht glauben. Martina sagt, dass
es stimmt, und dass nicht jeder daran glaubt, dass es am besten ist, uns zu kastrieren.
Die Jungs werden übrigens auch kastriert, und eigentlich sind sie danach
viel netter. Sie sind nicht ständig in diese Macho-Kämpfe verwickelt und sind
viel ruhiger und zivilisierter.
Manche Leute behaupten, dass wir nach dem
Eingriff keinen Spaß mehr im Leben haben, aber das ist der totale Quatsch! Tiger
und Drakula und den anderen Jungs jedenfalls scheint es immer prima zu gehen!
Leider ist Tommy vorletzten September eines Tages einfach verschwunden und nie
mehr wiedergekommen, obwohl er Martina sehr gern gehabt hat und immer darauf bestand,
sie morgens mit Pfötchen geben zu begrüßen!
Wir hoffen, dass er ein neues
Zuhause gefunden hat, aber wir haben auch gehört, dass zu der Zeit ungefähr sieben
unserer sterilisierten Katzenfreunde von jemandem vergiftet wurden. (Lieber Tommy,
wir hoffen, dass es Dir gut geht! Wir vermissen Dich!)
Ich hatte auch unwahrscheinlich
viel Glück, dass ich jetzt auch noch drinnen schlafen darf, was sich einfach so
ergab, weil ich so lieb zu Martina war. Sie liebt einfach all die Aufmerksamkeit,
die ich ihr entgegen bringe, und ich muss natürlich zugeben, dass es mir auch
ganz gut gefällt, ab und zu gestreichelt zu werden! Obwohl ich öfter mal so tu',
als wenn sie mich nichts anginge, kann ich eigentlich auch nicht mehr ohne sie
leben... (Sie kann mir einfach nicht widerstehen - und ER auch nicht, auch wenn
er manchmal den Strengen spielt!)
So also wurde ich nach und nach zu einer
richtigen Hauskatze. Jetzt kann ich jeden Abend in mein eigenes Bett ins Haus
gehen, aus einem Glas trinken, und ich bin stolz darauf, dass ich gelernt habe,
eine Toilette zu benutzen, und Martina und Sakis schnell beigebracht habe, mir
die Tür zu öffnen, wann immer ich rein oder raus will! Meistens wecke ich Martina
morgens, indem ich schnurrend zu ihr aufs Bett springe! (Das ist für sie
das Schönste, habe ich insgeheim den Verdacht!)
Und jeden Mittag spiele
ich Torwart mit Martina, es gibt ihr ein bisschen Bewegung und sie liebt es, Steinchen
in die Luft zu werfen und sie mich fangen zu sehen. Mir macht es auch Spaß - und
je höher ich springen muss, desto besser!
Inzwischen sind wir auch umgezogen.
Nicht nur, dass ich mich auch schon in Athen gut auskenne, wo wir einen Teil des
Winters verbringen - jetzt wohnen wir auch noch auf Paros woanders. Aber da ist
es auch schön, drumherum sind viele Felder und ich kann nach Herzenslust
wandern! Den
Nachbarshund, einen jungen Schäferhund, habe ich auch gut im Griff. Mamakatze
ist mitgekommen und war anfangs ziemlich böse, aber jetzt gefällt es
ihr hier auch gut. Drakula hat jemand anderen adoptiert (ja, die treulose Tomate
scheint woanders noch besseres Essen gefunden zu haben) und wahrscheinlich hätte
er sich auch nicht von seiner Taverne trennen wollen, wo er im Sommer immer die
Leute unterhält und sich leckeres Essen erschleicht.
Tiger und ein
paar andere unserer Freunde sind leider im August 2000 vergiftet worden - ja drei
Katzen waren auf einmal tot, darüber ist Martina lange nicht hinweggekommen.
Jetzt seh' ich auch zu, dass ich mich alle paar Stunden zu Hause zurück melde,
sonst macht sie sich zu große Sorgen. Sie hofft, hat sie mir erzählt,
dass in dieser Nachbarschaft nicht so häufig Giftköder ausgelegt werden.
Tja, leider aber geht es den meisten Katzen lange nicht so gut wie mir,
und ich wünsche mir wirklich, dass sich eines Tages, irgendwie, die Dinge ändern
werden...
Falls Sie mehr über uns und wie man uns hilft oder helfen kann,
wissen wollen, oder sich für Martinas Geschichten interessieren, dann lesen
Sie doch einfach hier weiter!
Nachtrag:
Leider
musste Josephina am 30.07.2003 eingeschläfert werden. Letztendlich hat der
chronische Schnupfen, wie man uns vorausgesagt hatte, gewonnen und wir mussten
sie von ihrem Leiden erlösen. Wir sind froh, dass sie unser Leben so viele
Jahre bereichert hat, wir täglich viel Freude mit ihr hatten, und werden
sie nie vergessen. Wir hätten gern miterlebt, wie sie auf unser Baby, das
am 14.09.2003 geboren wurde, reagiert hätte. Leider ging das nicht mehr.
Ein Leben kommt, ein Leben geht. Wir sind gespannt, wen uns Josephina als würdige/n
Nachfolger/in schickt.
"Und wenn
die Erde eure Glieder fordert,
dann werdet ihr wahrhaft tanzen."
(Khalil
Gibran aus "Der Prophet")
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