"Leben ist, was uns zustößt,
obwohl wir uns etwas ganz anderes vorgenommen haben." (Henry Miller)
 
 
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Ein Katzenleben in Griechenland

Josephina erzählt!
Josephina!

Liebe Tierfreunde,

mein Name ist Josephina und ich bin eine griechische Straßenkatze. Na ja, das war ich zumindest, bis ich im Lotto gewann - gewissermaßen. Ich traf auf Martina. Jetzt gehört sie mir, öffnet meine Dosen, pflegt mich, wenn ich krank bin, und tut überhaupt alles, was ich will!

Um einmal ganz von vorne zu beginnen: Es war ein kalter und regnerischer Abend im Februar, und ich saß auf einer Mauer am Straßenrand, als ich zwei Frauen erblickte, die die Straße entlang kamen. Die eine schob ihr Fahrrad neben sich her. Auf gut Glück machte ich sie durch lautes Miauen auf mich aufmerksam, und die Frau mit dem Fahrrad reagierte sofort. Wie sich herausstellte, war dies Martina. Zuerst glaubte sie nicht mal, dass ich eine Katze war und beleidigte mich, indem sie sagte, ich sei ein Knochengerippe und sähe aus und rieche wie der Teufel.

Natürlich konnte ich auch fühlen, dass ich ihr Leid tat, und als sie wieder aufbrach und ihren Weg ging, war ich ziemlich traurig, denn sie hatte nett ausgesehen. Da ich aber sowieso nichts anderes zu tun hatte, blieb ich einfach dort sitzen. Meine Mutter hatte auch keine Zeit für mich, da sie sich um meine kleinen Geschwister kümmern musste, und so wartete ich einfach darauf, dass vielleicht irgendwas passieren und jemand mit Essen vorbei kommen würde. Man weiß nie, manchmal macht plötzlich jemand die Tür auf und schüttet riesige Mengen gutes Futter auf den Bürgersteig - wie frischen Fisch z.B.!

Aber, was passierte dann etwas später? Die Frau mit dem Fahrrad kam zurück! Sie blieb wieder stehen, schaute mich nachdenklich an - beleidigte mich schon wieder! -, sagte, "was soll's" und setzte mich einfach in ihren Fahrradkorb und fuhr mich nach Hause.

Zuerst gab sie mir etwas zu essen (und ich war damals sehr hungrig!), und während ich aß, richtete sie mir ein warmes und trockenes Bett vor ihrer Haustür her. Sie murmelte etwas vor sich hin, das sich wie "was wird bloß Sakis sagen" anhörte, aber damals machte das für mich keinen Sinn. Später kam jedenfalls ein Typ, der mich überrascht anschaute, als wenn er sagen wollte "was ist das?" - ist es so schwierig, eine Katze zu erkennen? - und dann zu Martina rein ging.

Später erfuhr ich, dass dies Sakis war, der mit Martina zusammen lebt. Jedenfalls stellte er sich als richtig netter Typ heraus, der an dem Abend lediglich zu Martina gesagt haben soll "Haben wir einen neuen Gast?".

Martina sagte, dass ich wirklich Glück hatte, dass ein Tierarzt zu der Zeit gerade auf der Insel war, da ich sehr krank war. Ich hatte Schnupfen, Würmer, einen Hautpilz und Ohrmilben - igitt! Kann man sich das vorstellen? Leider war damals nur ab und zu ein Tierarzt auf der Insel, um sich um uns alle zu kümmern, also muss ich wohl wirklich Glück gehabt haben, obwohl es mir damals nicht so vorkam. (Heute ist es richtig toll, Paros hat einen eigenen Kleintierarzt!) Der Tierarzt gab mir jeden Tag Spritzen und Martina zwang mich ständig irgendwelche Pillen zu schlucken.

Aber ich blieb trotzdem, denn das Essen war gut und die Gesellschaft ebenfalls: Ein paar Katzen, die meine Freund wurden - Tiger, Drakula, "Mama-Katze", Silver und Tommy... Sie erzählten mir irgend eine Horrorgeschichte über eine Operation, die ich über mich ergehen lassen müsste, aber ich glaubte ihnen nicht, und sie sagten sowieso, dass es ihnen auch erst nicht gefallen hätte, sie sich aber heutzutage alle viel besser fühlten. Also machte ich mir nicht viele Gedanken drum, und eines Tages passierte es halt: Ich wurde kastriert! Das heißt, ich kann keine Babys bekommen, aber ich finde das auch besser so, denn so habe ich ein schönes Leben ohne Probleme!

Außerdem kann ich auch so einen Freund haben ;-)! Davon mal abgesehen, ich kenne eine andere Katze, die nicht sterilisiert ist und dreimal im Jahr Junge kriegt - mindestens - und mir erzählt, dass sie ihre Jungen ständig verliert! Ja, sie ist eigentlich immer nur traurig. Sie behauptet, dass jemand ihr die Babys wegnimmt, wenn sie gerade nicht aufpasst, aber ich mochte das gar nicht glauben. Martina sagt, dass es stimmt, und dass nicht jeder daran glaubt, dass es am besten ist, uns zu kastrieren.

Die Jungs werden übrigens auch kastriert, und eigentlich sind sie danach viel netter. Sie sind nicht ständig in diese Macho-Kämpfe verwickelt und sind viel ruhiger und zivilisierter.

Manche Leute behaupten, dass wir nach dem Eingriff keinen Spaß mehr im Leben haben, aber das ist der totale Quatsch! Tiger und Drakula und den anderen Jungs jedenfalls scheint es immer prima zu gehen! Leider ist Tommy vorletzten September eines Tages einfach verschwunden und nie mehr wiedergekommen, obwohl er Martina sehr gern gehabt hat und immer darauf bestand, sie morgens mit Pfötchen geben zu begrüßen!

Wir hoffen, dass er ein neues Zuhause gefunden hat, aber wir haben auch gehört, dass zu der Zeit ungefähr sieben unserer sterilisierten Katzenfreunde von jemandem vergiftet wurden. (Lieber Tommy, wir hoffen, dass es Dir gut geht! Wir vermissen Dich!)

Ich hatte auch unwahrscheinlich viel Glück, dass ich jetzt auch noch drinnen schlafen darf, was sich einfach so ergab, weil ich so lieb zu Martina war. Sie liebt einfach all die Aufmerksamkeit, die ich ihr entgegen bringe, und ich muss natürlich zugeben, dass es mir auch ganz gut gefällt, ab und zu gestreichelt zu werden! Obwohl ich öfter mal so tu', als wenn sie mich nichts anginge, kann ich eigentlich auch nicht mehr ohne sie leben... (Sie kann mir einfach nicht widerstehen - und ER auch nicht, auch wenn er manchmal den Strengen spielt!)

So also wurde ich nach und nach zu einer richtigen Hauskatze. Jetzt kann ich jeden Abend in mein eigenes Bett ins Haus gehen, aus einem Glas trinken, und ich bin stolz darauf, dass ich gelernt habe, eine Toilette zu benutzen, und Martina und Sakis schnell beigebracht habe, mir die Tür zu öffnen, wann immer ich rein oder raus will! Meistens wecke ich Martina morgens, indem ich schnurrend zu ihr aufs Bett springe! (Das ist für sie das Schönste, habe ich insgeheim den Verdacht!)

Und jeden Mittag spiele ich Torwart mit Martina, es gibt ihr ein bisschen Bewegung und sie liebt es, Steinchen in die Luft zu werfen und sie mich fangen zu sehen. Mir macht es auch Spaß - und je höher ich springen muss, desto besser!

Inzwischen sind wir auch umgezogen. Nicht nur, dass ich mich auch schon in Athen gut auskenne, wo wir einen Teil des Winters verbringen - jetzt wohnen wir auch noch auf Paros woanders. Aber da ist es auch schön, drumherum sind viele Felder und ich kann nach Herzenslust wandern! Der Schäferhund Nakos hat Angst vor mir ;-).Den Nachbarshund, einen jungen Schäferhund, habe ich auch gut im Griff. Mamakatze ist mitgekommen und war anfangs ziemlich böse, aber jetzt gefällt es ihr hier auch gut. Drakula hat jemand anderen adoptiert (ja, die treulose Tomate scheint woanders noch besseres Essen gefunden zu haben) und wahrscheinlich hätte er sich auch nicht von seiner Taverne trennen wollen, wo er im Sommer immer die Leute unterhält und sich leckeres Essen erschleicht.

Tiger und ein paar andere unserer Freunde sind leider im August 2000 vergiftet worden - ja drei Katzen waren auf einmal tot, darüber ist Martina lange nicht hinweggekommen. Jetzt seh' ich auch zu, dass ich mich alle paar Stunden zu Hause zurück melde, sonst macht sie sich zu große Sorgen. Sie hofft, hat sie mir erzählt, dass in dieser Nachbarschaft nicht so häufig Giftköder ausgelegt werden.

Tja, leider aber geht es den meisten Katzen lange nicht so gut wie mir, und ich wünsche mir wirklich, dass sich eines Tages, irgendwie, die Dinge ändern werden...

Falls Sie mehr über uns und wie man uns hilft oder helfen kann, wissen wollen, oder sich für Martinas Geschichten interessieren, dann lesen Sie doch einfach hier weiter!

Nachtrag:
Leider musste Josephina am 30.07.2003 eingeschläfert werden. Letztendlich hat der chronische Schnupfen, wie man uns vorausgesagt hatte, gewonnen und wir mussten sie von ihrem Leiden erlösen. Wir sind froh, dass sie unser Leben so viele Jahre bereichert hat, wir täglich viel Freude mit ihr hatten, und werden sie nie vergessen. Wir hätten gern miterlebt, wie sie auf unser Baby, das am 14.09.2003 geboren wurde, reagiert hätte. Leider ging das nicht mehr. Ein Leben kommt, ein Leben geht. Wir sind gespannt, wen uns Josephina als würdige/n Nachfolger/in schickt.

"Und wenn die Erde eure Glieder fordert,
dann werdet ihr wahrhaft tanzen."
(Khalil Gibran aus "Der Prophet")

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